Fermer

Ausschreibung / Call for Papers
(English version below)

8. ARCHITEKTURTHEORETISCHES KOLLOQUIUM

der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christiane Salge, TU Darmstadt
Einsiedeln, Bibliothek Werner Oechslin, 25. – 28. April 2019

„Firmitas/aedificatio“ – die materiellen, „körperlichen“ Grundlagen der (gebauten) Architektur.

In moderner Zeit sind die Betrachtungsweisen des Ingenieurs und des ‚Machens von Architektur’ und umgekehrt der Aspekt der ästhetischen Wirkung wie kaum je zuvor getrennt worden. Es hatte zuletzt die verheerende Wirkung, dass der Architekt nur noch als Stilist und Dekorateur auftrat. Umgekehrt gab und gibt es immer wieder Ansatzpunkte, die dem gegenläufig den inneren Zusammenhang von Konstruktion und Erscheinungsform – eine alte Überzeugung und auch dies ein Credo moderner Architektur – thematisieren und betonen. Es führt zu komplexen Fragen, wie sie in besonderer Eindringlichkeit in Karl Böttichers „Tektonik“ zur Darstellung gelangt sind, der aus einer „Kernform“, als einem „mechanisch nothwendigen, statisch fungirenden Schema“, und der „Kunstform“ als „Funktion-erklärende Charakteristik“ eine „Junktur“ und ein Ganzes bilden wollte.

Es bedarf der Analyse der einzelnen Elemente, der Materialien selbst und der „aedificatio“, der Ausführung von Bauten, wie sie der Humanist Leonbattista Alberti vordringlich mit der Aufgabe des Architekten verbindet; der Architekt muss Gewichte verschieben und Körper zusammenfügen („compactio“, coagmentatio“), auf dass dann das Ganze einem (schönen) Zweck zugeführt werden kann. Ein ‚irgendwie gearteter’ innerer Zusammenhang von Material, Bau und Bauwerk drängt sich – meistens – auf. Welches sind die Bedingungen und die Wirkungen der Materialität und aller nachfolgenden (Bau-)Massnahmen? Welches ist der Stellenwert der Dauerhaftigkeit und ‚Solidität’? Was von all dem ‚bildet sich ab’, oder aber wird transzendiert oder auch ersetzt? Die Moderne hat ja in
extremis den ‚körperlosen’ Bau (Giedions „Luftraum“) suggeriert, aber weshalb sind ausgerechnet die ‚solidesten’ Bauwerke zu Weltwundern geworden. Wie verhält es sich mit der „Schwere“ bei Schopenhauer, mit der Mystifizierung des Steins bei Nietzsche? Im historischen Kontext tut sich hier ein breites, beinahe unerschöpfliches Feld kulturgeschichtlicher Betrachtung der Architektur auf.

Es bietet sich in jedem Fall an, von der wirklichen Kernkompetenz des Architekten, dem BAUEN, auszugehen. Was dementsprechend in Erscheinung tritt, ist ein Prozess, ein Werden und ein dieses begleitende Können, die alte τέχνη (Technik), die Kompetenz des ‚Fertigen‘, des Zusammensetzens („coagmentatio“), des Bauens.

Die Veranstaltung richtet sich an Architekturtheoretiker, Architekten, Kunsthistoriker, Technik- und Wissenschaftshistoriker u.a.m. und möchte ausgewiesene Kenner der Materie und insbesondere jüngere Forscher aus verschiedenen Ländern zusammenführen.

Um viel Zeit für gemeinsame Diskussionen zu haben, sollten die Referate nicht länger als 20 Minuten dauern. Sie können deutsch, englisch, französisch und italienisch vorgetragen werden. Passive Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt.

Bedingungen: Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Übernachtung und z.T. die Verköstigung der Referenten. Reisespesen können nicht erstattet werden.

Wir bitten um Bewerbungen mit einem kurzen Exposé und CV bis spätestens 08. November 2018 per e-mail an: anja.buschow@bibliothek-oechslin.ch

Call for Papers

Eighth Colloquium on Architectural Theory at the Werner Oechslin Library in collaboration with Prof. Dr. Christiane Salge, TU Darmstadt

Einsiedeln, Werner Oechslin Library, 25 – 28 April 2019

“Firmitas / aedificatio” – The Material, Corporeal Foundations of (Built) Architecture

In the modern period, the viewpoints of the engineer and the “making of architecture” and, vice versa, the aspects of aesthetic effects have been separated as scarcely ever before. Most recently, it has had the devastating effect that the architect only appears as a stylist or decorator. On the other hand, there were and are repeated points of departure that, in opposition to this, emphasize and address the issue of the inner coherence of construction and appearance – an old conviction, and this too a credo of modern architecture. It leads to complex questions, as they are represented with particular urgency in Karl Bötticher’s Tektonik. He wanted to shape a whole and a “juncture” from a “core form” as a “mechanically necessary, statically functioning scheme” and the “artistic form” as “characteristic that explains function.”

It requires analysis of the individual elements, of the materials themselves, and of the “aedificatio,” the execution of buildings, as the humanist Leon Battista Alberti urgently connects with the task of the architect; the architect must shift weights and join masses (“compactio,” “coagmentatio”) so that the whole can then be endowed with a pleasing purpose. Some sort of inner connection of material, building and structure usually asserts itself. What are the conditions and the effects of materiality and of all successive (structural) measures? What is the significance of permanence and “solidity”? What of all this “representes” itself, or is transcended or even replaced? In extreme circumstances, modernity suggested a version of the “disembodied” building (Giedion’s “air space”), but then why have precisely the “most solid” structures become wonders of the world? What does Schopenhauer mean by “gravity” or Nietzsche with the mystification of stone? In the historic context, a broad, nearly inexhaustible field of the cultural-historical consideration of architecture opens up here.

In any case, it lends itself to proceed from the real core competency of the architect: BUILDING. What correspondingly emerges is a process, a becoming, and this accompanying ability, the old τέχνη (technique), the competence of the “complete,” the putting together, architectural work.

The event addresses architectural theoreticians, architects, art historians, historians of technology and science, and others, and seeks to bring together leading experts on the topics as well as, in particular, young researchers from various countries.

Papers should be limited to twenty-minute presentations.

Languages for paper proposals and presentations: German, English, French, Italian. At least a passive knowledge of German is expected of all participants.

The Foundation assumes the hotel costs for course participants, as well as for some group meals. Travel costs cannot be reimbursed.

Please send short paper proposals and CVs by e-mail to: anja.buschow@bibliothekoechslin.ch

Deadline: 8 November 2018